Motivation: Der Chef muss ein geeignetes Umfeld schaffen

Motivation: Der Chef muss ein geeignetes Umfeld schaffen

Mi, 16/05/2018 - 11:51
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Ein Interview mit dem Persönlichkeitsberater Albert Nöbauer.

 

Albert Nöbauer hat einen universitären Abschluss in Theologie und Psychologie. Zudem hat der Österreicher verschiedene therapeutische Ausbildungen absolviert. Neben seiner Aktivität als Coach für Mitarbeiter und Führungskräfte hält er auch Kurse, wie beispielsweise an der Cusanus Akademie in Brixen, und referiert des Öfteren auf verschiedenen Veranstaltungen. Zuletzt war er beim Südtiroler Führungsforum geladen. Im Interview erklärt er, wie Mitarbeiter motiviert werden können.

Die Mitarbeiter sind oftmals motiviert. Muss der Chef dazu beitragen, dass es so bleibt?

Die Motivation gehört zwar nicht zu den Kernaufgaben der Führung, weil ein gesunder Mensch normalerweise motiviert ist, aber die Führungskraft stellt das Umfeld bereit, in dem die Motivation existiert, sich entwickelt und erhalten bleibt.

Wie sieht das ideale Umfeld aus?

Das ist abhängig von der Führungspersönlichkeit, ob sie autoritär, partizipativ oder charismatisch ist, und vom Geschäftsfeld. Verallgemeinernd gesprochen, kann man von drei Grundmotiven ausgehen, die ein Mensch mitbringt: Erstens das Bindungsmotiv, d.h. er möchte dazugehören. Zweitens das Leistungsmotiv, d.h. er möchte Leistung erbringen und ist bereit, diese zu optimieren, wenn er wertschätzend anerkannt wird und drittens möchte ein Mensch niemals sein Gesicht verlieren. Das bedeutet er möchte nicht so behandelt werden, dass er ständig an seinem Umfeld zweifeln muss. Wenn der Chef diese Motive konstruktiv gestaltet, wird ein Umfeld geschaffen, in dem Motivation leben kann. Die Schlagwörter lauten Wertschätzung, Zuwendung und Anerkennung. Wenn Führung sich so gestaltet, dass das Motivationssystem des Menschen im Hirn angesprochen wird, dann hat man es mit einer gesunden und guten Führung zu tun. In Betrieben ist oftmals die zweite Führungsebene wesentlich für die Leistungsbereitschaft und Begeisterung der Mitarbeiter.

Ein Mitarbeiter ist also motiviert, wenn er Wertschätzung, Zuwendung und Anerkennung erfährt. Können auch Gutscheine und andere Zusatzleistungen zur Produktivität anspornen?

Das sind nette Extras, die kurzfristig wirken. Diese können sich aber als kontraproduktiv herausstellen, weil sich Menschen sehr schnell daran gewöhnen. Monetäre Zuwendungen können dazu führen, dass oftmals mehr Kosten entstehen, als für den Betrieb herausspringt.

Was demotiviert Mitarbeiter?

Die Führung soll Interaktionen herstellen, die Ergebnisse bringen und diese so gestalten, dass der Mitarbeiter gestärkt und orientiert von dieser Begegnung hervorgeht. Das heißt, der Chef traut ihm zu, dass er seine Arbeit meistern kann und dass er weiß, was zu tun ist. Es ist aber oft so, dass Mitarbeiter nach den Interaktionen frustriert, gedemütigt und verängstigt sind. Wenn eine Führungskraft daran arbeitet, diese Begegnungen konstruktiv zu gestalten, dann ist sie auf dem richtigen Weg. Es ist wichtig, nicht immer wieder auf Fehler und Mängel hinzuweisen, sondern sich an den Stärken zu orientieren. Die Führung braucht auch emotionale, mentale und körperliche Kraft, um den eigenen Job gut zu machen. Nicht nur das Verhalten ist wichtig, auch die innere Haltung.

Sie haben von Orientierung gesprochen. Wie wichtg ist ein regelmäßiges Feedback?

Natürlich ist es sinnvoll, zu wissen, was ein Mitarbeiter leistet. Eine tägliche Begegnung ist meist nicht möglich. Es gehört auch Selbstverantwortung dazu und Rückmeldung muss nicht verbal sein, auch ein ermunternder Blick oder eine freundliche Geste sind schon eine Rückmeldung. Man sollte intervenieren, wenn Abweichungen geschehen oder wenn eine gute Arbeit geleistet wird. Es reicht, wenn die Führung konstruktiv denkt, freundlich ist und Kraft schenkt.

Sollten sich Mitarbeiter auch selbst motivieren?

Ich gehe davon aus, dass jeder gesunde Mensch motiviert ist, Leistung zu erbringen, zu gestalten und vorwärts zu kommen. Wenn es einer Führungskraft gelingt, die Motivation weiterzuentwickeln, kann er die Power seiner Mitarbeiter pushen. Ein Mensch, der aber nicht motiviert und leistungsbereit ist, kann auch nicht von anderen motiviert werden. Wer nicht motiviert ist, ist auf dem falschen Platz, bei der falschen Person oder hat die falsche Biografie.

Was bedeutet die falsche Biografie zu haben?

Beispielsweise kann ein positiv eingestellter junger Mensch, der nur als Leistungsträger und nicht als Person wertgeschätzt wird, nicht mehr fähig sein, Leistungsbereitschaft zu zeigen. Es kann auch sein, dass die Erfahrung gemacht wurde, dass sich Leistung nicht lohnt und zu Druck und Überforderung führt. Das kann bewirken, dass man nicht mehr bereit ist, Leistung zu erbringen. Diese Personen sind schwer motivierbar, weil sie eine andere Grundhaltung haben. Ein Hotelier hat einmal zu mir gesagt, ich stelle das Lächeln ein, alles andere kann geschult werden.

Credits
Kurt Kaindl/Thomas Purwitzer